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Business

2019

15

Karriere & Trends

fotos: kk, Junfermann Verlag

Was macht Menschen überhaupt

glücklich?

In der positiven Psychologie – der Wis-

senschaft des gelingenden Lebens –

unterscheiden wir zwei Arten von Glück.

Erstens das Wohlfühlglück. Das ist das

kurzfristige Glück, bei dem es um das

Erleben positiver Gefühle, um Genießen

und Entspannen geht. Das kann ein

Cappuccino in der Sonne sein, ein

gemütliches Essen zu zweit oder eine

warme Badewanne. Und zweitens das

Werteglück: Das ist das längerfristige

Glück. Es geht dabei darum, ein erfüll-

tes Leben zu leben. Das lässt sich errei-

chen, wenn wir das Leben unserenWer-

ten gemäß ausrichten, also den Dingen

nachgehen, die uns wichtig sind. Das

kann ein Familienausflug sein oder eine

Fortbildung, für die wir uns entschieden

haben, um das Wissen auszubauen.

Warum sind beide so wichtig, um

glücklich zu sein?

Für unser Wohlbefinden braucht es ein

Sowohl-als-auch: Momente, in denen

wir einfach genießen können, genauso

wie positive Beziehungen, Selbstbe-

stimmung und Kompetenzerleben, also

ein erfülltes und sinnerfülltes Leben, das

wir unseren Werten gemäß ausrichten.

Gerade in der Arbeitswelt beklagen

viele, nicht zufrieden mit ihrem Job zu

sein. Woher kommt der Frust?

Wir möchten uns im Job wohlfühlen,

unsere Stärken anwenden, Erfolge

erzielen, uns mit den Kollegen gut ver-

stehen und in den Pausen entspannen.

Es ist wichtig, dass die Ziele und Auf-

gaben im Job bewältigbar sind und in

einem guten Verhältnis zu den Ressour-

cen stehen. Ist dies nicht der Fall, füh-

len wir uns chronisch über- oder unter-

fordert und erleben das Gefühl von

Unzufriedenheit und Frust. Das kann

sich steigern bis hin zu Burn-out, Panik­

attacken und Co. Die Folge sind Kran-

kenstände aufgrund von psychischen

Beschwerden, die innerhalb der vergan-

genen Jahre gestiegen sind. Deshalb ist

es höchste Zeit, etwas zu unternehmen!

Was kann ein Unternehmen für zufrie-

dene Arbeitnehmer tun?

Manche Unternehmen achten inzwi-

schen bewusst darauf, etwas für das

Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter zu tun:

Bewegungsprogramme, hausinterne

Fitnessstudios oder psychologische

Beratung werden in das Angebot inte-

griert und die Teilnahme an Workshops

oder Vorträgen zum Thema Burn-out-

Prävention und Co. werden von Unter-

nehmen organisiert. Diese Ansätze sind

zu begrüßen. Wichtig ist, dass auf bei-

den Ebenen angesetzt wird, sodass also

sowohl die körperliche als auch die psy-

chische Gesundheit gefördert wird.

Und was kann man selbst für ein glück-

licheres Arbeitsleben tun?

Ein ganz wesentlicher Ansatzpunkt

zumGlücklichsein liegt in uns selbst. Ein

Ansatzpunkt, um mehr Freude im Job

zu erleben, liegt im sogenannten Job

Crafting, mithilfe dessen jede Arbeit zur

Berufung wird – sogar die Fließband­

arbeit. Dabei geht es darum, entweder

die Art der Arbeit, die Anzahl der Auf-

gaben oder die Art und Weise, wie sie

erledigt werden, zu verändern. Weiters

sich zu überlegen, welche Aspekte der

Arbeit mit den eigenenWerten überein-

stimmen. Und: Es lohnt sich, in die sozi-

alen Kontakte in der Arbeit zu investie-

ren. Kollegen könnten im Alltag und

auch in stressigen Zeiten große Res-

sourcen und Motivatoren darstellen, die

nicht zu unterschätzen sind.

Interview

Melanie Hausler,

Arbeitspsychologin und Trainerin für positive Psychologie

www.hausler.at

Buchtipp

Melanie Hausler

„Glückliche

Kängurus springen

höher“

Junfermann Verlag

Um ca. 26,– Euro

Das im März 2019 erscheinende

Buch unterstützt dabei, die eige-

nen Stärken herauszufinden und

sie in den Alltag zu integrieren.

Man liebt das, wofür man sich

müht, und man müht sich für das,

was man liebt.

Erich Fromm,

deutscher Philosoph und Sozialpsychologe