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moments 3/2016

8.540 Euro Startgeld

20 Jahre lang war es still in den Städten

und Dörfern, die an der Strecke liegen.

Kein Motorenlärm, keine kreischenden

Menschenmassen. Bis 1977 die „Mille

Miglia Storica“ ausgerufen wurde, eine

Gleichmäßigkeitsfahrt für historische

Fahrzeugtypen, die auch bei der „alten“

MM zugelassen wären, sprich kein

Fahrzeug ist jünger als Baujahr 1957.

Wer glaubt, die 8.540 Euro reines Start-

geld könnten die Massen von der Teil-

nahme abhalten, der irrt. Circa 450

Fahrzeuge sind zugelassen, angeblich

gehen mehr als 3.000 Bewerbungen

beim Veranstaltungskomitee ein. Ne-

ben den gesetzten Werksteams und

einigen Stammgästen wird der Rest der

Teilnahmeberechtigungen per Los ent-

schieden. Ach ja: Pro Person sind dann

noch weitere 1.920 Euro für Unter-

kunftskosten in den akkreditierten Ho-

tels zu berappen, für vier Tage wohlge-

merkt. Das alles macht den Event zu

einem der exklusivsten überhaupt. Die

Kosten lassen sich – natürlich abhängig

vom Fahrzeug – sogar wieder spielend

hereinwirtschaften, denn ein Auto, das

am berühmtesten Oldierennen der

Welt teilnimmt, steigt ganz automa-

tisch im Wert.

Hollywoodstars,

Prinzen und Millionäre

Der Aufmarsch der Prominenz so-

wohl auf als auch neben der Strecke

lässt Rennen wie den Grand Prix von

Monaco fast schon erbärmlich ausse-

hen. Was heute bei der MM abgeht,

kann kaum beschrieben werden. Krei-

schende Menschenmengen an der

Strecke, Hunderte Pressevertreter, ein

Happening sondergleichen. Dreifache

Oscar-Preisträger wie Daniel Day-Le-

wis messen sich mit Hollywood-Stu-

diobossen à la Jim Gianopulos. Jeremy

Irons matcht sich mit Rennsportlegen-

de Jacky Ickx. Ex-Bentley und Bugat-

ti-Boss Wolfgang Schreiber trifft auf

Oldtimer-Narr Jay Leno oder Wolf-

gang Porsche. Dazu drängen sich die

CEOs von Daimler, BMW, Opel, Ber-

telsmann, RWE oder Jung van Matt in

historische Cockpits. Die Menschen

in den Städten und Dörfern entlang

der Strecke, die Jahr für Jahr leicht

variiert, sind mit typisch italienischer

Leidenschaft dabei. Firmen geben frei,

der Unterricht in den Schulen wird

ausgelassen und sogar Polizisten

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450

Fahrzeuge

nahmen 2015 an

der Mille Miglia teil.

Angeblich trudeln bei

den Organisatoren

über 3.000 Bewer-

bungen für einen

Startplatz ein.

Die freien Plätze

werden verlost.

MEN

ONLY

MILLE MIGLIA HISTORY

Motorsport galt bis in die 1920er-Jahre als „exotisch“,

vor allem in Italien. Kaum jemand konnte sich ein Auto

leisten, Esel- und Pferdekutschen gehörten zum ganz

normalen Transportalltag. Der Adelige und Rennfahrer

Aymo Maggi bedauerte den Randsport-Status und

gründete mit seinen Mitstreitern (siehe Bild) 1927 die

Mille Miglia. Die tollkühnen Männer, die sich über

Stock und Stein jenseits von befestigten Straßen mit

ihren Autos in atemberaubender Geschwindigkeit

bewegten, faszinierten sofort und brachten den Durch-

bruch für den gesamten Motorsport.

Sie nannten sich

die vier Musketiere:

Die Gründerväter

der Mille Miglia: die

Grafen Franco

Mazzotti und Aymo

Maggi sowie Renzo

Castagneto und

Flaminio Monti. Sie

hoben 1927 das

Rennsportereignis

aus der Taufe.

1940 gelang es BMW, die MM zu

gewinnen. Zwei Mal konnte Merce-

des das Rennen entscheiden. Alle

anderen Titel holten ausschließlich

italienische Sportwagen.

Damals wie

heute ist die

Mille Miglia ein

Publikumsmag-

net sonderglei-

chen. Die MM

half mit, den

Motorsport in

der breiten

Masse populär

zu machen.

ROUTE 2016

Der Mercedes SSKL war das erste

nicht-italienische Siegerauto.

Guter Schinken, harter Käse

und tolle Autos: Parma.

Das antike Rom trifft auf klassische

Autos – das gibts nur bei der MM.

Der Adria-Badeort

beherbergt die

MM-Fahrer nach

der ersten Etappe.

Die zweitgröß-

te Stadt der

Lombardei,

Brescia, ist

seit jeher

Start- und

Zielort der

MM.

Die Brüder

Maserati waren

von Anfang an

in die MM

involviert.

Aston

Martins

British

Racing

Green

trifft auf

das Blau

der Azurri.

Mercedes stellt,

wie viele andere

Autohersteller,

auch 2016 wieder

ein Werksteam.

FOTOS: MOMENTS MAGAZIN, MILLE MIGLIA, BONOTTOMARIO/ISTOCK EDITORIAL/THINKSTOCK